Wie ein Siegelring, ein Verdingbub und ein Kirchenbuch die Geschichte der Familie Kolmanic erzählen.
Am Anfang steht ein Siegelring. Grossvater und Vater trugen ihn: ein silbernes Schild mit roten Schrägbalken und drei blauen Lilien, darüber ein Helm mit Federbusch. Dazu eine stolze Überlieferung — die Familie stamme von Johann Colmann ab, einem Bürgermeister von Lübeck, gestorben 1454. Es gibt ihn wirklich: die Lübeckische Ratslinie führt ihn unter Nr. 512, seinen Vater als Ratsherrn unter Nr. 492. Ein Hansekaufmann, Diplomat zwischen dänischen Königen und norddeutschen Städten.
Doch je genauer man hinsieht, desto leiser wird die Legende. Kein Dokument verbindet den Lübecker mit einer südlichen Familie. Der Name „Koll-/Kolmann" ist mehrfach unabhängig entstanden — im Norden anders als im Süden. Und ein Siegelring beweist keine Blutlinie: solche Wappen wurden im 19. Jahrhundert gern nach blossem Namen verkauft. Die schöne nordische Geschichte löst sich auf — und gibt den Blick frei auf eine andere, wahrere. Sie führt nicht an die Ostsee, sondern nach Süden.
Kolmanič ist slowenisch. Er ist gebildet aus dem Vornamen Koloman — jenem irischen Pilger, der 1012 bei Stockerau in Niederösterreich zu Tode kam und lange ein Landespatron war. „-ič" heisst „Sohn des": Kolmanič, der Nachkomme des Koloman. Sein Kernland ist das Prekmurje, das slowenisch-ungarische Grenzland im Nordosten Sloweniens — arm, katholisch, von Auswanderung geprägt. Von dort zogen Familien in die nahe Grossstadt: Graz.
Am 26. Oktober 1907 wird in Graz Leopold Kolmanic geboren. Wie die Familie es über Generationen erzählte, zerbrach früh die Verbindung seiner Mutter Augustina zum Vater; Leopold hatte eine Schwester, Julia, und später — als Augustina einen Herrn Schönauer heiratete — zwei Halbgeschwister, Ernst und Trudy Schönauer. (Drei Familiendokumente haben diese Überlieferung inzwischen bestätigt — und an einem entscheidenden Punkt berichtigt; siehe Kapitel IV.) Sicher ist das Ende der Grazer Kindheit: Der kleine Leopold wird weggegeben — über die Grenze in die Schweiz. Um 1919, mit etwa zwölf Jahren, taucht er im Kanton Luzern auf, wohl mit einem der Nachkriegs-Kindertransporte, die hungernde österreichische Kinder in die Schweiz brachten. Als Verdingbub lebt er bei der Bauernfamilie Hüsler: 1920–1924 in Rickenbach/Niederwil beim Landwirt Roman Hüsler, 1924–1927 in Büron bei Frau Hüsler. Ein Kind als Kostgänger auf fremden Höfen, hunderte Kilometer von einer Mutter entfernt, die es nicht halten konnte. In den Gemeindeakten heisst es später schlicht, „der Knabe habe sich gut aufgeführt … stets rechtschaffen". (Die Familie erinnerte den Namen als „Häusler" und den Ort als „Eschenbach" — „Hüsler" klingt gleich, und die Höfe liegen nur wenige Kilometer auseinander.)
Leopold bleibt. Doch Schweizer zu werden ist kein gerader Weg: Als er 1936 in Zürich um das Bürgerrecht einkommt, nimmt ihn der Gemeinderat der Stadt am 10. Juni zunächst — unter Vorbehalt — auf. Dann aber ziehen die Behörden „die üblichen Erkundigungen durch die Kantonspolizei" ein, und diese fördern „Tatsachen" zutage, die dem Gemeinderat nicht bekannt gewesen waren. Am 15. Oktober 1936 verweigert der Regierungsrat des Kantons Zürich dem Bewerber das Landrecht und hält seine Einbürgerung ausdrücklich für „unerwünscht" (Regierungsratsbeschluss Nr. 2664); die Aufnahme ins Bürgerrecht der Stadt Zürich wird damit hinfällig. Der einstige Verdingbub, den Österreich einst weggab, wird nun auch von der Schweiz zunächst abgewiesen — er wohnt damals ledig an der Zentralstraße 123 in Zürich 3. Erst später gelingt die Einbürgerung; die Familie wird schließlich Zürcher, Heimatort Zürich. Er heiratet Hermine Schwengeler (geboren 30. September 1915), Tochter des Musikers Karl Schwengeler und der Hermina Grieshaber, die aus dem Schwarzwald stammte. Und dann geschieht das eigentliche Wunder dieser Geschichte: Der Junge, den seine Familie einst weggab, gründet selbst eine große. Zwischen 1939 und 1958 bekommen Leopold und Hermine in Zürich zwölf Kinder — von Nelly (1939) über die Zwillinge Margrit und Gertrud (1942) bis zu Brigitte (1958); der zehnte, Bruno, kommt 1955 zur Welt. Aus dem verdingten Einzelkind wird der Stammvater einer weitverzweigten Zürcher Familie — eine Linie, die den österreichischen Anfang fast vergisst.
Wo wurde Leopold getauft? Graz hatte um 1907 rund zwanzig Pfarren. Die erste Fährte führt nach St. Andrä im Arbeiterviertel Gries — plausibel für eine slowenisch-stämmige Familie. Der September 1907 wird Seite für Seite durchgesehen: nichts. Dann die Wende — das genaue Datum ist der 26. Oktober, nicht der September. Also zurück ins richtige Fenster, Ende Oktober bis November: wieder kein Kolmanic. St. Andrä scheidet aus.
Die nächste Pfarre, Mariahilf am Lend, hat ein Namensregister — und darin steht tatsächlich „Kolmanič". Ein Moment des Triumphs. Doch der Eintrag entpuppt sich als falsche Spur: Zwillinge einer Anna Kolmanič, 1908 — eine andere, nicht verwandte Familie. Der Name ist selten, aber nicht einzig.
Und so geht die Suche weiter, Register für Register: Herz Jesu, Kalvarienberg, Karlau, St. Peter, Straßgang. Überall dieselbe Antwort — kein Leopold. Acht, neun Pfarren, lauter Fehlanzeigen, obwohl in jedem Buch die slowenischen Namen der Zuwanderer standen: Kovačič, Kosmač, Kaprivec, Kranjecz. Die Familie hätte überall gepasst — und war doch nirgends.
Bis in Graz-Münzgraben im Taufregister der Name auftauchte, der nach so vielen leeren Büchern fast unwirklich wirkte: Kolmanič. Und nicht nur einmal — gleich mehrere Kinder, über Jahre. Endlich, so schien es, der feste Boden: die Pfarre, in der die Familie ihre Kinder taufen liess.
Doch das Taufbuch erzählte eine andere Geschichte, als man hoffte. Der Eintrag von 1903 nennt die Eltern mit klarer Hand: Franz Kolmanič, Eisenbahner, geboren 1872 in der Pfarre Kapellen bei Bad Radkersburg (slowenisch Kapela) — genau an jener Sprachgrenze, aus der der Name kommt — und die Mutter Elisabeth, geborene Borovič, aus der Pfarre St. Peter in derselben Gegend. Die Herkunft stimmte auf wunderbare Weise. Aber die Mutter hiess nicht Augustina. Und als man das Register des Jahres 1907 Zeile für Zeile durchging und danach das Taufbuch selbst bei den letzten Oktobertagen aufschlug — dort, wo ein am 26. Oktober geborenes Kind hätte stehen müssen — war kein Leopold, kein Kolmanič. Nur, ein paar Zeilen entfernt, zwei am 22. Oktober notgetaufte Zwillinge einer fremden Mutter, die beide noch am selben Tag starben; jene Zwillinge, von denen die Familie längst wusste, dass sie nicht zu ihr gehören.
So kippte der Triumph in eine feinere Erkenntnis. Münzgraben ist eine Kolmanič-Pfarre — aber Leopold wurde hier nicht getauft, und Franz Kolmanič und Elisabeth Borovič sind nicht seine Eltern. Denn was die Familie erinnert, passt nicht zu diesem Paar: Leopolds Mutter Augustina war die erste Frau seines Vaters, und es war der Vater, der ging — er verliess Augustina und die drei Kinder für eine andere Frau, deren Name verloren ist. Aus der Scheidung fiel der kleine Leopold heraus, über die Grenze in die Schweiz. Die Münzgrabener Kolmanič mit ihrer Mutter Elisabeth sind also eine Seitenlinie — Verwandte aus derselben Grenzheimat, vielleicht ein Onkel. Das Kirchenbuch hat, fast nebenbei, doch etwas Grosses bestätigt: die Herkunft der Familie liegt nicht an der Ostsee, sondern im Grenzland um Radkersburg.
Und so wurde die Suche zu Ende geführt: jede der dreizehn Grazer Pfarren ist nun durchgesehen — von St. Andrä und Münzgraben bis hinauf in die Bauerndörfer von St. Veit und Mariatrost — und dazu die Anstalten — nur eine Pfarre fehlte auf der Liste, ausgerechnet jene des alten Krankenhauses in der Paulustorgasse, und just dort war das Kind zur Welt gekommen. In keinem der durchgesehenen Bücher aber stand Leopolds Taufe. Das ist kein Scheitern, sondern eine Erkenntnis mit Kontur: Der Junge, der 1907 in Graz geboren wurde, ist in Graz nicht getauft worden — jedenfalls nicht dort, wo die Bücher es heute verraten. Vielleicht geschah es in der Heimatpfarre der Eltern, irgendwo an der slowenischen Grenze, aus der der Name stammt.
Und dann, im Sommer 2026, kam die Auflösung nicht aus einem fernen Archiv, sondern aus einer Mappe der Familie selbst.
Das erste ist Leopolds eigener Geburts- und Taufschein, ausgestellt am 19. Oktober 1934 von der Grazer Pfarre zum heiligsten Erlöser — für sein Zürcher Einbürgerungsverfahren. Endlich die Taufe, die in keinem der durchsuchten Register aufgetaucht war: Sie stand in einer Pfarre, die auf unserer Liste schlicht gefehlt hatte. Leopold wurde am 26. Oktober 1907 um 6 Uhr 15 in Graz, Paulustorgasse 15 geboren und am 28. Oktober getauft (Taufbuch Band 32, Seite 362); Patin war die Köchin Maria Ofner, die Hebamme hieß Christine Böhm.
Und dann die Zeile, die alles verschiebt. In der Spalte des Vaters: nichts. Leopold kam unehelich zur Welt. In der Spalte der Mutter steht klar: Auguste — Augustina — Kolmanič, ledig, geboren am 20. August 1879, heimatberechtigt in Kapellen im Bezirk Oberradkersburg, in Graz als Dienstbotin geführt. Mit einem Schlag fügt sich alles zusammen: Der Name Kolmanič gehört nicht einem verschwundenen Vater, sondern der Mutter — einem jungen Dienstmädchen aus Kapela an der slowenischen Grenze, das in Graz in Stellung war und ein Kind bekam, für das kein Vater eintrat. Darum trug Leopold den Namen Kolmanič; darum wurde er weggegeben; darum führte die Spur des Namens immer wieder nach Kapela — es war Augustinas Heimat, nicht die eines Mannes. Die mühsam gefundene Grenzpfarre war die richtige — nur eine Generation früher, als wir dachten.
So berichtigt das Papier die Überlieferung mit der Behutsamkeit, die eine solche Geschichte verdient: keine geschiedene Ehe, sondern eine ledige Mutter in schwerer Zeit. Es macht Leopolds spätere Verding- und Kindertransport-Odyssee nur verständlicher — und Augustinas Entscheidung, das Kind zur Welt und zur Taufe zu bringen, umso mutiger.
Was die Urkunde nur andeutet, hat die Familie im Sommer 2026 in Worte gefasst — eine mündliche Überlieferung, weitergegeben von Nelly, der ältesten der zwölf, und über Stefans Vater bewahrt. Danach war Auguste als junges Dienstmädchen bei einer wohlhabenden Familie in Stellung, und der Hausherr hat sie missbraucht und geschwängert. Leopold war das Kind dieser Gewalt — darum trat kein Vater ein, darum blieb die Spalte im Taufbuch leer. Als Auguste später Herrn Schönauer heiratete, wollte dieser den unehelichen Sohn nicht im Haus; so wurde der kleine Leopold über die Grenze in die Schweiz gegeben, während seine ältere Schwester Julia bei der Mutter und den neuen Kindern bleiben durfte.
Diese Zeilen sind Familienüberlieferung, kein Urkundenbeleg — hier bewusst so festgehalten, wie sie erzählt wurden. Sie erklären mit schmerzhafter Klarheit, warum die Familie den Anfang so lange in eine sanftere Legende gehüllt hat. (Und mit einem leisen Lächeln fügt die Überlieferung hinzu: auch Nelly selbst kam kurz vor der Hochzeit ihrer Eltern zur Welt — die frühen Geburten ziehen sich durch diese Familie.)
Die beiden anderen Papiere erhellen die Schweizer Seite. Ein Geburtsschein der Stadt Zürich hält fest: Hermine Martha Schwengeler, geboren am 30. September 1915 in Zürich, eheliche Tochter des Karl Schwengeler, Bureauangestellter, heimatberechtigt in Töss bei Winterthur (nicht, wie zunächst vermutet, in Berneck), und der Hermine geborenen Grieshaber. Der „Komponist" der Überlieferung war im Zivilstand ein Büroangestellter — die Musik war wohl seine Leidenschaft, nicht sein Broterwerb. Und ein Taufschein von 1957 zeigt, dass Hermine erst mit zweiundvierzig Jahren katholisch getauft wurde, in der Zürcher Pfarre St. Peter und Paul — sie trat zum Glauben ihres Mannes über.
Ein viertes Papier, der Eheschein, bindet beide Fäden zusammen: Am 13. Mai 1939 heiraten in Zürich Leopold Kolmanic und Hermine Martha Schwengeler — standesamtlich und kirchlich in der St.-Antonius-Kirche zu Egg. Der Eintrag nennt Leopold ausdrücklich als „Sohn der Auguste Kolmanic" (kein Vater) und verzeichnet seine Heimat in der inzwischen jugoslawischen Schreibweise: Radenci (Slatina Radinci), Bezirk Ljutomer — dieselbe Grenzgegend um Kapela, aus der Augustina stammte. Die Herkunft ist damit doppelt bezeugt: 1907 aus Graz und 1939 aus Zürich.
So schließt sich der Kreis: von einem Dienstmädchen aus Kapela und einem Büroangestellten aus Töss zu zwölf Zürcher Kindern und weiter bis zu Leonie. Die Legende vom Lübecker Bürgermeister ist längst verklungen — geblieben ist eine wahrere, wärmere Geschichte.
Leopolds Taufschein hatte, klein gedruckt in der Spalte der Mutter, noch eine Zeile mitgegeben, die zunächst unlesbar schien: Augustina sei geboren am 20. August 1879 in „Graz, St. Anton". Das war ein Rätsel, denn eine Pfarre St. Anton gibt es in Graz nicht — nicht eine einzige der über zwanzig Grazer Pfarren trägt diesen Namen. Wo also lag „St. Anton"?
Die Auflösung liegt in der Geschichte eines Hauses. Das alte Grazer Krankenhaus in der Paulustorgasse — mit ihm die Landes-Gebäranstalt, in der arme und ledige Frauen niederkamen — hatte eine Kapelle, geweiht dem heiligen Antonius von Padua. „St. Anton" war kein Ort auf der Landkarte, sondern der Schutzpatron jenes Spitals. Und die Geburten dieses Hauses wurden nicht in eine Bezirkspfarre geschrieben, sondern in die Bücher der Pfarre zum heiligsten Erlöser — dieselbe Pfarre und dieselbe Paulustorgasse, in der achtundzwanzig Jahre später Leopold selbst zur Welt kommen und getauft werden sollte. Mutter und Sohn, geboren im gleichen Haus.
Im Taufbuch 22 der Pfarre Hl. Erlöser, Seite 127, Reihenzahl 267, steht sie dann mit eigener Hand: Augustine Kolmanitsch, geboren und getauft am 20. August 1879. Und diesmal — anders als bei ihrem Sohn — ist die Spalte des Vaters nicht leer. Augustina kam ehelich zur Welt, als Tochter von Franz Kolmanič „von Kapellen bei Luttenberg" — also aus Kapela, genau jener Grenzheimat, die der Name die ganze Zeit versprochen hatte — und seiner Frau Katharina, geborener Gröschel.
Damit rückt die Geschichte eine ganze Generation tiefer und über die Grenze zurück: hinter der ledigen Mutter Augustina steht ein verheiratetes Paar aus Kapela, Franz und Katharina Kolmanič — Leopolds Urgroßeltern, Stefans Ururgroßeltern. Was die Familie an Augustina erinnerte, war also nur die halbe Wahrheit: Sie war kein wurzelloses Dienstmädchen, sondern die eheliche Tochter einer Bauernfamilie an der windischen Sprachgrenze — die erst ihr eigenes Kind ohne Vater zur Welt brachte und damit den Namen Kolmanič in die Schweiz trug.
Zwei Geburten, ein Haus in der Paulustorgasse, ein Vierteljahrhundert dazwischen — und eine Linie, die sich nun bis in die Weinberge von Kapela verfolgen lässt.
Jeder Fakt ist hier mit seiner Quelle verknüpft. Grundsatz: Kirchenbuch- und Archivbelege stehen mit direktem Link zur Originalseite (und, wo vorhanden, einem Screenshot); mündliche Familienangaben sind bewusst getrennt geführt und gelten als „offen/plausibel", bis ein Dokument sie bestätigt. Status: belegt plausibel offen.
| Nr. | Aussage / Fakt | Beweismittel | Quelle & Link | Status |
|---|---|---|---|---|
| B1 | Leopold Kolmanič *26.10.1907 Graz; Verding bei Hüsler (Rickenbach/Niederwil 1920–24, Büron 1924–27), 1919 Beromünster; Einbürgerung Zürich 1934 | Amtl. Archivauskunft (E-Mail Dr. J. Schmutz) | Staatsarchiv Luzern, Dossier AKT 413K/249 | belegt |
| B2 | Kolmanič-Familie in Graz-Münzgraben: Franz Kolmanič *30.8.1872 (Pfarre Kapellen b. Radkersburg) × Elisabeth geb. Borovič *14.11.1867 (St. Peter); Tochter Elisabeth Anna *12.11.1903. Seitenlinie, nicht Leopolds Eltern. → siehe Abb. 1–2 | Taufbuch-Eintrag + Screenshots | Matricula · Münzgraben, Taufbuch 19, S. 117 | belegt |
| B3 | Herkunft = Kapela pri Radencih („St. Magdalena in Kapellen") bei Bad Radkersburg — Ur-Heimat der Familie. Von Leopolds Eheschein (B19) bestätigt: heimatberechtigt Slatina/Radenci, Bezirk Ljutomer (Jugoslawien) — dieselbe Grenzregion. | Pfarr-Stammdaten + Eheschein (B19) | Matricula · Kapela pri Radencih | belegt |
| B4 | Kolmanič-Clan in Kapela belegt: Johann Kolmanič × Johanna geb. Polak, 1886 (Häusler) | Taufbuch-Eintrag | Matricula · Kapela, Taufbuch 1886–1904, S. 1 | belegt |
| B5 | Durchsicht von 13 Grazer Pfarren + Anstalten (1907) ohne Kolmanič-Treffer — die Taufpfarre „zum hl. Erlöser" war nicht auf der Liste. Durch B15 aufgelöst: Leopold wurde in Graz getauft (Hl. Erlöser). Der Negativbefund war unvollständig. | Registerdurchsicht + Urkunde | Matricula (Protokoll im Dossier); vgl. B15 | geklärt |
| B6 | Die „Zwillinge" (Mutter Pačič, 22.10.1907) sind nicht verwandt (notgetauft, beide am selben Tag verstorben) | Taufbuch-Eintrag | Matricula · Münzgraben, Taufbuch 20, S. 216 | belegt |
| B7 | Kapela-Trauungen 1866–1897 ohne Kolmanič → die Familie heiratete auswärts (Brautpfarre) | Trauungsindex (alphabet.) | Matricula · Kapela, Trauungsindex 1866–1897 | belegt |
| B8 | Name Kolmanič = slowenisch, zu Koloman; Kernland Prekmurje | Nachschlagewerk | Wikipedia · Kolmanič | belegt |
| B9 | Lübeck-Wappen / „Bürgermeister-Legende" ohne Beweiswert — keine Verbindung zur südlichen Familie | Deep-Research + Nachschlagewerk | Wikipedia · Johann Kollmann | belegt |
| B10 | Korrigiert (durch B16): Karl Schwengelers Heimatort ist Töss (Winterthur) — nicht Berneck. Grieshaber = Schwarzwald-Name (bestätigt). | Geburtsschein (B16) + Namensforschung | siehe B16 | belegt |
| B11 | Mutter = Auguste „Augustina" Kolmanič, ledig, *20.8.1879, heimatberechtigt Kapellen b. Oberradkersburg (= Kapela), Dienstbotin in Graz. Leopold unehelich — kein Vater eingetragen. Der Name Kolmanič stammt von der Mutter. Julia = weiteres Kind Augustinas; später 2. Ehe mit Herrn Schönauer → Ernst & Trudy Schönauer. (Korrigiert die frühere Überlieferung „Vater Kolmanič / geschiedene Ehe".) | Amtl. Taufschein (siehe B15) | siehe B15 | belegt |
| B15 | Leopolds Geburts- & Taufschein: *26.10.1907, 6:15 Uhr, Graz IV, Paulustorgasse 15; getauft 28.10.1907 röm.-kath.; unehelich; Mutter Auguste Kolmanič (ledig, *20.8.1879, Heimat Kapellen/Oberradkersburg, Dienstbotin); Vater nicht genannt; Pate Maria Ofner (Köchin, Rösselmühlg. 36); Hebamme Christine Böhm; Täufer Kurat Franz Roschmann. → Abb. 3 | Amtl. Kirchenurkunde (Foto 20.07.2026) | Pfarre Graz z. hl. Erlöser, Diöz. Seckau; Taufbuch Bd. 32, S. 362; ausgestellt 19.10.1934 (Zürcher Einbürgerung) | belegt |
| B16 | Hermine Martha Schwengeler *30.9.1915 Zürich (Josefstr. 184), eheliche Tochter; Vater Karl Schwengeler, Bureauangestellter, heimatber. Töss (Winterthur); Mutter Hermine geb. Grieshaber. → Abb. 4 | Geburtsschein (Foto 20.07.2026) | Zivilstandskreis Zürich, Geburtsregister Bd. 3, S. 462, Nr. 2977, 1915 (Auszug 1920) | belegt |
| B17 | Hermine Kolmanic geb. Schwengeler — kath. getauft 5.11.1957 (mit 42 J.), Zürich St. Peter u. Paul; Heimat Töss-Winterthur; Eltern Karl Schwengeler † & Hermine Grieshaber †; Patin Lina Lerf. → Abb. 5 | Taufschein (Foto 20.07.2026) | Kath. Pfarramt St. Peter u. Paul, Zürich, 5.11.1957 | belegt |
| B18 | Foto: Leopold als Verdingbub — kleiner Junge mit zwei Mägden auf einem Bauernhof (LU, ~1920er); das früheste Bild der Geschichte. → Abb. 6 | Familienfoto | Familienbesitz (Datei folgt) | belegt |
| B19 | Eheschein Leopold × Hermine (Zürich, 13.5.1939): Leopold Kolmanic, ledig, heimatberechtigt Slatina Radinci (Radenci), Bezirk Ljutomer, Jugoslawien, *26.10.1907 Graz, Sohn der Auguste Kolmanic (kein Vater) — bestätigt Herkunft & Unehelichkeit. Braut Hermine Martha Schwengeler, ledig, von Winterthur, *30.9.1915 Zürich. Kirchliche Trauung St. Antonius, Egg (ZH), 13.5.1939. → Abb. 7 | Amtl. Eheschein (Foto 20.07.2026) | Zivilstandskreis Zürich, Eheregister 1939, Bd. III, S. 128, Nr. 1163; kath. Pfarramt Egg-ZH Nr. 131 | belegt |
| B20 | Augustinas eigene Taufe: Augustine „Augustina" Kolmanič, geb. & getauft 20.8.1879 in Graz — im Krankenhaus Paulustorgasse (Kapelle Hl. Antonius v. Padua = „St. Anton"), ehelich; Vater Franz Kolmanič „von Kapellen b. Luttenberg" (= Kapela/Ljutomer), Mutter Katharina geb. Gröschel. Löst das Rätsel „St. Anton" (Spitalpatron; Matriken in Pfarre Hl. Erlöser) und nennt Leopolds Urgroßeltern (Stefans Ururgroßeltern). → Abb. 9 | Taufbuch-Eintrag + Screenshot | Matricula · Graz-Hl. Erlöser, Taufbuch 22 (1878–81), S. 127, Nr. 267 | belegt |
| B22 | Zürcher Einbürgerung 1936 — zunächst verweigert: Regierungsratsbeschluss RRB 1936/2664 „Landrecht (Verweigerung)" v. 15.10.1936. Betrifft Leopold Kolmanic, von Kapellen (Jugoslawien), geb. Graz 26.10.1907, ledig, Zentralstraße 123, Zürich 3. Die Stadt Zürich nahm ihn am 10.6.1936 unter Vorbehalt ins Bürgerrecht auf; nach Erkundigungen der Kantonspolizei verweigert der Regierungsrat das Landrecht — Einbürgerung „unerwünscht"; die Aufnahme wird hinfällig, Kosten dem Bewerber auferlegt. → Abb. 10 | Regierungsratsbeschluss (Volltext & Digitalisat) | StAZH · MM 3.53 RRB 1936/2664, S. 878 | belegt |
| B12 | Die 12 Kinder von Leopold & Hermine (Namen/Geburtsdaten, alle *Zürich) | Familienauskunft | Familie · Zivilstandsregister ZH ausstehend | plausibel |
| B13 | Hermine Martha Schwengeler *30.9.1915; Eltern Karl Schwengeler (Musiker) & Hermina Grieshaber | Familienauskunft | Familie | plausibel |
| B14 | Wallis-Seite: Walter Schnidrig × Noémie Heinzmann (Eltern von Doris) | Familienauskunft | Familie | plausibel |
| B21 | Umstände von Leopolds Geburt (Familienüberlieferung, Nelly → Bruno, Juli 2026): Auguste war Dienstmädchen bei einer wohlhabenden Familie; der Dienstherr missbrauchte und schwängerte sie (daher kein Vater im Taufbuch). Ihr späterer Mann Schönauer lehnte den unehelichen Leopold ab → Leopold in die Schweiz, ältere Schwester Julia blieb bei der Mutter. Erklärt Leopolds Verdingung. Mündlich — kein Urkundenbeleg. | Mündliche Familienüberlieferung | Auskunft Nelly (älteste Tochter) via Bruno/Stefan | plausibel |
Ablage-Prinzip: Belege werden fortlaufend als Abb. 1, 2, … nummeriert und mit Fundstelle/Link geführt. Abb. 1–2, 9 & 10 (Grazer Kirchenbücher & Zürcher Regierungsratsbeschluss) sind eingebettet. Abb. 3–8 — Leopolds Geburts-/Taufschein, Hermines Geburtsschein & Taufschein, das Verdingbub-Foto und der Eheschein 1939 — sind inhaltlich bereits als B15–B19 erfasst; die Bilddateien werden hier eingebettet, sobald sie über einen verbundenen Ordner (Desktop-App) oder als echter Datei-Anhang vorliegen.